«Joke»
2003-2006
1200 A4-Kugelschreiberzeichnungen im Hochformat.
(schwarz/rot, z.T. blau)
Der erste Teil erzählt in nicht linearen Bildfolgen von
menschlichen Beziehungsmustern und Beziehungsprozessen.
Einer Poetik der Beziehungen; vom Herantasten, Verpassen,
Verbergen und Finden. Vom vielfältigen Spiel und Reichtum
der Beziehungsgestaltung; in Freude, Lust und Schmerz.
Im Zentrum steht die Beziehung, das Dazwischen. Die
Recherche verfolgt die These, dass die Beziehung sich
ihre Protagonisten selbst sucht und schafft.
In Opposition dazu steht im zweiten Teil die Zerstörung der
Verbindung, die Trennung, Isolation und die Unmöglichkeit
der Beziehung. So universell und zeitlos die Thematik anmutet, verortet sich
«Joke» immer wieder in seiner Zeitgenossenschaft: Schutzanzüge,
Netzwerklabyrinthe, Überwachungskameras und
unsichtbare Kampfflugzeuge zeugen davon. Das Gewirr löst sich
in einem Faltenwurf eines Kopfkissens.
Der dritte Teil zeigt eine elementare, banale, ornamentale
Situation: Eine Figur in einer Landschaft. Die Figur schaut den
Baum_ den Berg an. Der Baum_ der Berg schaut ihn an. Alles gerät ausser
Kontrolle und mündet schlussendlich ins ruhige Meer.
«Joke» umkreist und entwickelt die auftauchenden Sachverhalte
in einer bildnerischen, nicht linearen Denkbewegung. Es sind
keine Illustrationen auftauchender Gedanken. Der Prozess selbst schafft und
zeigt neue Bilder. Diese nonlineare Erzählung
bewegt sich an Rissen und Brüchen und steht in der Tradition
der traumwandlerischen, automatischen, surealen Aufzeichnungen, dekonstruktivistischen,
situationistischer Verfahrensweisen. Die Recherche nimmt bewusst Bezug zu Traumstrategien
und Witztechniken.
Diese Strategie ist gleichzeitig gekennzeichnet durch eine
Ambivalenz. Eine Ambivalenz gegenüber dem Sichtbaren, dem Bild
selbst, gegenüber dem Festhalten und Fixieren. Dinge werden
gezeigt und gleichzeitig immer wieder verhüllt und zugedeckt.
Spuren werden gelegt und wieder verwischt. Was bleibt ist die
Bewegung. Der Prozess geht weiter.